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Stefan Bauer

Das Ohr am Puls der Zeit: Stefan Bauer will über die Umstellung der Telefonie auf VoIP informieren. Bis 2018 will die Telekom die Umstellung vollzogen haben. Foto: fam

Wechsel mit Vor- und Nachteilen

EDV-Berater Stefan Bauer informiert über Umstellung

Von Michael Falkinger

Die Telekom will bis Ende 2018 die Umstellung der herkömmlichen Telefonie auf IP-Telefonie abgeschlossen haben. EDV-Berater Stefan Bauer vom Trostberger Unternehmen Cubewerk GmbH, das Telefonanlagen installiert, hat zu dem Thema bereits in Traunreut eine Infoveranstaltung durchgeführt und hat dies auch in Trostberg vor. IP-Telefonie steht für Internet-Protokoll-Telefonie –  auch Voice over IP (VoIP) genannt. Bei VoIP werden Gespräche in Form von Datenpaketen über das Internet verschickt.

[sam id=“8″ codes=“true“] Im Gespräch mit dem Orgelpfeifer erklärt Bauer, was es mit der neuen Telefonie auf sich hat: Die Telekom versende an ihre Kunden Aufforderungen, ihre Telefonanschlüsse umzustellen, da sie sonst zwangsgekündigt würden. Bauer weist aber auch darauf hin, dass wegen der rasanten Umstellung aller Analog- und ISDN-Anschlüsse auf VoIP-basierte Telefonie in Deutschland vielen Nutzern gar nicht bewusst sei, dass ihre Telefonie bereits auf VoIP basiert.

Wie die Cubewerk GmbH in einem Leitfaden zur IP-Telefonie erklärt, spreche die Bundesnetzagentur in ihrem Jahresbericht 2014 von 36,89 Millionen Telefonanschlüssen in Deutschland. Davon entfielen 32,36 Prozent auf herkömmliche Analog-Anschlüsse, 20,94 Prozent auf ISDN-Basis- und Primärmultiplex-Anschlüsse und der bereits größte Anteil – 46,59 Prozent – auf VoIP-Telefonanschlüsse über DSL oder Glasfaser. Den Rest spreche die Bundesnetzagentur öffentlichen Telefonstellen zu.

Ziel der Umsetzung sei, die Kosten durch ein einheitlich aufgebautes und zu betreibendes Netz zu reduzieren. „Man möchte es natürlich auch vereinfachen“, sagt Bauer. Denn der Plan, mit VoIP-Anschlüssen Telefonie und Internet zu vereinen, bringe eben auch eine Kostenersparnis mit sich. Telefonanschlüsse könnten nach einiger Zeit billiger werden, da die Anbieter wesentliche Technik einsparen. Als einen Grund für die Umstellung führt Bauer die veraltete Analog- und ISDN-Technik an, die teilweise schon Probleme beim Beschaffen von Ersatzteilen bereite. Die Umstellung erfolge meistens umsonst. Endgeräte könnten ausgetauscht oder angemietet werden. Bauer: „Die Kosten sind überschaubar.“

Als weitere Vorteile der VoIP-Telefonie nennt Bauer weniger Komponenten und Fehlerquellen sowie bessere Sprachqualität. Bei den herkömmlichen Anschlüssen sind Daten- und Sprachverbindungen voneinander getrennt. Bei VoIP-Telefonanschlüssen existiere nur noch eine einzige Datenverbindung: das Internet. Darüber werde die Telefonie realisiert. Hierdurch konkurriere Telefonie und Internet miteinander. Dies könne sich bei falscher Implementierung durch Aussetzer, Verzögerungen, blecherne Sprache oder ein Echo oder Rauschen negativ auf die Sprachqualität auswirken.

Wenn die Telefonanlage weitgehend neu ist, könne man die bisherigen Endgeräte weiterhin nutzen, sagt Bauer. Auch sei die Umstellung in der Regel einfach: Der Anbieter versende einen neuen Router – ein Netzwerkgerät, das die Interneteinwahl übernimmt und als Weiche zwischen der alten und neuen Technik dient – und löse die Verkabelung.

Denn die hausinterne Verkabelung erfahre eine Umstellung beim Anschluss von Telefonen auf die VoIP-Technik. Verwendete der Nutzer bei Analog- und ISDN-Telefonen noch eigene Kabel für die ausschließliche Anbindung der Telefone, benötige er bei VoIP-Telefonen eine Netzwerkverkabelung auf Kupferbasis. Hier werde in der Regel das bereits bestehende Netzwerk verwendet, berichtet Bauer.

Zu den technischen Änderungen erklärt Bauer, dass der bisherige Anschluss von der TAE-Dose (Telekommunikation-Anschluss-Einheit) über einen Splitter (Weiche) entweder zum Router oder zum NTBA-ISDN-Netzabschlussgerät, das den Anschluss unterschiedlicher ISDN-Endgeräte ans Telefonnetz ermöglicht, und von hier weiter zur Telefonanlage und schließlich zum Endgerät Telefon führt. Bei der VoIP-Lösung entfällt der Splitter und im Falle von ISDN auch der NTBA. Von der TAE-Dose geht es direkt über den Router zu Telefonanlage und Telefon. Das Telefon wird dabei direkt in den Internet-Router eingestöpselt.

In manchen Punkten gebe es bei IP aber auch Einschränkungen, erklärt Bauer. Die Telefonie sei abhängig vom bestehenden Internetzugang. Durch die Umstellung auf VoIP sparten sich die Anbieter zudem die Amtsspeisung sowie die Ruf- und Signalerzeugung. Der Nutzer müsse die Betriebsspannung für seine Endgeräte also selbst aus seiner eigenen Steckdose holen.  Bei einer Amtsspeisung sei wenigstens ein Notbetrieb mit einem Telefon auch bei Stromausfall möglich. VoIP brauche zwingend ein IP-fähiges Endgerät, das lokal mit Strom versorgt werden muss. Bei Stromausfall falle auch die gesamte VoIP-Telefonie aus.

Ein weiteres Problem: Bei Stromausfall und bei damit verhindertem Internetzugang sei auch der Hausnotruf nicht mehr möglich und man müsse auf Mobilfunk zurückgreifen. Problematisch sind laut Bauer daher auch Anschlüsse von Alarmanlagen und Brandmeldeanlagen.

(18. April 2016)

1 Kommentar

  1. Jaja, Vor- und Nachteile ….
    Die Leut sollten gut Acht geben, was sie sich da ggf. für Nachteile einkaufen, denn von offizieller Seite hört man i.d. Regel nichts von den Problemen, die vor Ort tatsächlich bestehen.

    So ist die Telekom z.B. noch nicht mal in der Lage, für mein Schatzl in einem Ort mitten im schönen Bayern zumindest Telefon geschweige denn „schnelles“ Internet zur Verfügung zu stellen. Nein, noch nicht einmal eine Telefonleitung … steht derzeit zur Verfügung (und eine Lösung ist noch nicht mal absehbar in Sicht). Laut Bundesnetzagentur steht einem diese aber zu, die Telekom müsste also extra eine Leitung hinlegen. Dann hat sie für eine Grundgebühr, für die andere eine Allnet-Flat bekommen, gerade mal einen Telefonanschluss. Mit dem kann sie dann ja, so die Telekom, mit einem Modem auch das Internet nutzen.

    Und nein, in Deutschland hat man durch einen Beschluss der Bundesregierung kein Grundrecht (mehr) auf auch nur einigermaßen schnelles Internet. Ich glaube den vollmundigen Versprechungen von Bundesregierung und Telekom in Bezug auf Technologiestandort Deutschland, auf moderne Technik, auf flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet usw. kein Wort mehr.

    Wohlklingend reden ist das Eine, und Leute an der Nase herumführen ist das Andere.

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