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Förderkreis Ausbildung sucht Paten

Förderkreis Ausbildung sucht Paten

Bürger begleiten Jugendliche ehrenamtlich auf dem Weg in die Lehre

Von Michael Falkinger

Die Stadt Trostberg sucht Bürger, die bereit sind, sich im Projekt „Ausbildungspaten“ zu engagieren. In den vergangenen elf Jahren haben Paten mehr als 100 Schüler auf ihrem Weg zum Ausbildungsplatz begleitet. Elf Neuntklässler der Heinrich-Braun-Mittelschule wollen sich von Paten helfen lassen – es stehen derzeit aber lediglich sechs Paten zur Verfügung. Das Angebot richtet sich vor allem an Mittelschüler mit einem Notendurchschnitt von 3,5 oder schlechter, denen droht, dass sie den Schulabschluss nicht schaffen.


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Der Fachkräftemangel zeichnet sich längst deutlich ab. Die Wirtschaft ist darauf angewiesen, auf die Potenziale möglichst vieler junger Menschen zurückgreifen zu können. Immer mehr Betriebe beurteilen Bewerber nicht nur noch nach ihren Schulabschlüssen, sondern nach deren Begabungen und dem Eindruck, den sie im persönlichen Gespräch hinterlassen. Dennoch gibt es nach wie vor zu viele Bewerber, denen der Übergang von der Schule in die Ausbildung nicht gelingt. Um diese Zahl zu verringern und den Jugendlichen mit schulischen Defiziten ins Berufsleben zu begleiten, hat im Jahr 2003 der Agenda-Arbeitskreis Soziales den Förderkreis Ausbildung initiiert. Leiter dieses Patenschaftsprojektes ist Walter Zimmermann, ehemaliger Rektor der Heinrich-Braun-Hauptschule.

In den ersten Jahren seines Bestehens hatten sich bis zu zehn Erwachsene im Förderkreis engagiert. Die Zahl der Paten sinkt, gleichzeitig nimmt aber die Zahl der Schüler mit Defiziten zu. Deshalb bittet Bürgermeister Karl Schleid Bürger aus allen Gemeinden, die zum Schulverband der Heinrich-Braun-Mittelschule gehören, sich am Projekt zu beteiligen und Paten zu werden.

Kürzlich bekamen die derzeit aktiven Paten ihre Schützlinge zugewiesen. Bürger, die Paten werden wollen, können in einer Art Praktikum die Arbeitsweise der Paten kennenlernen. Interessierte können sich im Rathaus beim Leiter des Bürgerbüros, Alois Kellner, unter Tel. 08621/801-40 melden. Schleid bezeichnete das Projekt als sehr erfolgreich. Seit Beginn vor elf Jahren konnten Paten mehr als 100 Schüler auf ihrem Weg in den Ausbildungsplatz begleiten.

In einem Pressegespräch erklärten Zimmermann, Schleid, Kellner, Mittelschulrektor Franz Freutsmiedl und Marianne Penn, im Stadtrat Referentin für Menschen mit Beeinträchtigung, welche Aufgaben ein Pate, aber auch welche Pflichten ein betreuter Schüler hat. Die Patenschaft erfolgt in enger Zusammenarbeit von Mittelschule, Paten, Eltern und Berufsberatern. „Die Kooperation hat sich bestens bewährt in den letzten Jahren“, berichtete Zimmermann. Die Paten treffen sich regelmäßig mit Kellner, Zimmermann und Freutsmiedl sowie den Klassenlehrern der neunten Mittelschulklassen zum Informationsaustausch im Rathaus.

Bei der Patenschaft geht es darum, den Jugendlichen mit seinen Wünschen und Berufsvorstellungen ernst zu nehmen, zu klären, welche Form der Hilfe er braucht, um sein Ziel zu erreichen. Paten unterstützen den Prozess der Berufswahl mit Rat und Tat bei der Praktikums- und Ausbildungsplatzsuche.

Der Pate hilft den Schülern bei der Berufswahl, ist Ansprechpartner für Jugendliche mit Migrationshintergrund, begleitet seine Schützlinge auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz und bespricht mit ihnen Bewerbungsunterlagen, erklärte Zimmermann. Hilfe ist auch oft beim Ausfüllen von Schreiben wie Fahrkostennachweisen nötig, ergänzte Penn. Bei den Hilfestellungen fordert der Pate die aktive Mitarbeit der Schüler. Die Schüler haben den Paten gegenüber Verpflichtungen, fügte Freutsmiedl hinzu. Sie müssen Termine einhalten und die Paten immer auf dem Laufenden halten, zum Beispiel wenn sie eine Lehrstelle gefunden haben. Schließlich seien die Paten in ihrer Freizeit ehrenamtlich und unentgeltlich tätig.

Penn appellierte an potenzielle Paten, sich nicht von einem vermeintlich riesigen Aufgabenfeld erschrecken zu lassen. So müssen sie zum Beispiel nicht unbedingt fähig sein, Schülern Nachhilfe zu geben, sondern vielmehr Nachhilfe vermitteln zu können, erklärte Kellner. Den Nachhilfeunterricht organisiert Zimmermann. Es ist wichtig, dass sich Paten quer durch alle Berufsschichten finden, sagte Penn. Als Voraussetzungen, eine Patenschaft zu übernehmen, nannte Schleid Lebenserfahrung und Liebe zu jungen Menschen.

(2. November 2014)

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