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Arbeitskreis bietet Asylsuchenden Deutschunterricht an.

Ehrenamtlicher Einsatz: Antje Hebeler, Lutz Völkel, Barbara Herrler, Doris Schmidt-Thalhammer, Manuela Häussler, Elke Größ und Hermann Brunnlechner (stehend, von links) sowie Edith Langer, Gisa Pauli und Andreas Kinzner (sitzend, von links) gehören zu dem Arbeitskreis, der Asylbewerbern Deutschunterricht anbietet. Foto: fam

Netz der Ehrenamtlichen funktioniert wie am Schnürchen

Sprachunterricht für Asylbewerber startet am Montag, 12. Januar

Von Michael Falkinger

Als „Hinweis auf eine Stadt mit Herz“ wertet Gisa Pauli das große Engagement von Trostbergern, den Flüchtlingen in der Stadt Sprachkurse zu geben. Pauli hatte sich bei der außerordentlichen Ortsteil-Bürgerversammlung Mitte Oktober im Landgasthof Purkering dazu bereit erklärt, Verantwortung zu übernehmen, und Sprachkurse angeboten. Nun haben sich Pauli, Bürgerbüroleiter Alois Kellner, Stadträtin Marianne Penn und Gisela Huber, die die Unterkunft für Asylsuchende in Wäschhausen betreibt, mit elf Frauen und Männern im kleinen Sitzungssaal des Rathauses getroffen, um Nägel mit Köpfen zu machen. Der Unterricht für die Asylsuchenden, die in der Unterkunft in Wäschhausen sowie in den Wohnungen über dem Jugendzentrum und im Bahnhof leben, startet am Montag, 12. Januar. Auch in Altenmarkt erhalten Asylbewerber aus dem Kreis Trostberger ehrenamtlich Engagierter Deutschunterricht. Altenmarkts Bürgermeister Stephan Bierschneider hatte eine entsprechende Anfrage gestellt.


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„Ich find’, besser geht’s nicht“, sagte Pauli während der Besprechung im Rathaus: Gleich beim ersten Treffen schaffte es der Arbeitskreis aus dem Netzwerk Asyl, einen Stundenplan auf die Beine zu stellen. Damit sich die künftigen Lehrer und Schüler schon einmal kennen lernen können, treffen sie sich am Freitag, 9. Januar, um 11.15 Uhr in Wäschhausen. Am Montag geht’s dann los, und am Dienstag, 20. Januar, treffen sich die Sprachlehrer um 15 Uhr wieder im kleinen Sitzungssaal des Rathauses, um eine erste Bilanz zu ziehen, über den weiteren Einsatz von Lehrmaterial zu beraten und am endgültigen Stundenplan zu feilen.

Neben Pauli haben sich Andrea Kinzner, ihr Gatte Eyasu Adebabay, Doris Schmidt-Thalhammer, Susanne Klasse, Barbara Herrler, Elke Größ, Hermann Brunnlechner, Edith Langer, Antje Hebeler, Lutz Völkel und Manuela Häussler im Rathaus getroffen und sich dazu bereit erklärt, Deutsch zu lehren. Ihre Motivation: Sie wollen helfen Sprachbarrieren abzubauen, den Asylbewerbern ein Gefühl des Willkommenseins vermitteln und auch menschliche Zeichen gegen die so genannte Pegida setzen. Dabei sind die Damen und Herren nicht nur aktive und pensionierte Lehrer.

Kellner, Pauli und Penn freuten sich sehr über das Engagement. „Es war wirklich eine große Überraschung, dass sich so viele Leute eingefunden haben“, sagte Pauli. „Die gieren alle nach Sprache“, berichtete Penn über ihre Begegnung mit Asylbewerbern. „Sie wollen jetzt unbedingt Sprachunterricht haben.“

Derzeit leben in Trostberg etwa 20 Asylbewerber in der Unterkunft Wäschhausen sowie in den Wohnungen im Jugendzentrum und im Bahnhof, erzählte Kellner im Gespräch mit dem Orgelpfeifer. Die Menschen der Jahrgänge von etwa 1978 bis 1996 stammen aus Afghanistan, Syrien, Ägypten, Eritrea, Palästina und dem Kosovo.

Die herzliche Art, wie die Trostberger diese Hilfe suchenden Menschen empfangen hat, bezeichnete Kellner als Aushängeschild für die Stadt. Die Arbeitskreise des Netzwerks Asyl, die sich um Sprachkurse, Patenschaften, Bekleidung, Fahrräder, Spieleabende für junge Leute, Freizeitgestaltung sowie Kinder und Jugend kümmern, funktionieren reibungslos. „Wir könnten aber noch mehr Fahrräder gebrauchen“, sagte Alois Kellner. Ansprechpartner für diesen Bereich ist Dietmar Spitzera, Tel. 0 86 21/49 71 (mit Anrufbeantworter), 01 51/27 55 09 17 oder E-Mail juz@stadt.trostberg.de.

Über den reibungslosen Ablauf, den herzlichen Empfang für die neuen Mitbürger und den großen ehrenamtlichen Einsatz der Trostberger freut sich auch Bürgermeister Karl Schleid. Die Art, wie die Ehrenamtlichen die Asylbewerber betreuen, bezeichnete Schleid als „sehr gut“. „Das ist eine saubere Sache“, sagte der Bürgermeister. Um das Miteinander weiter zu vertiefen, stehen in der nächsten Zeit weitere Veranstaltungen im Terminkalender. Am Samstag, 17. Januar, laden die Kolpingsfamilien aus Trostberg, Schwarzau und Heiligkreuz die Trostberger und ihre neuen Mitbürger ab 15 Uhr zum „Café International“ ins Pfarrzentrum St. Andreas. „Tanz für Toleranz!“ lautet das Motto eines Benefizkonzerts, das der Arbeitskreis Anti-Rassismus des Hertzhaimer-Gymnasiums für Samstag, 31. Januar, ab 19 Uhr im „Club Stiege“ organisiert.

(8. Januar 2015)

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