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Ausstellung „Trostberg und der Erste Weltkrieg“ im Atrium am Stadtmuseum

„Aufschrei gegen jede Form von Krieg“: Die Ausstellung „Trostberg und der Erste Weltkrieg“ im Atrium am Stadtmuseum ist an vier Wochenenden geöffnet. Fotos: fam

Die Auswirkungen der Urkatastrophe

Ausstellung „Trostberg und der Erste Weltkrieg“ an vier Wochenenden im Atrium am Stadtmuseum

Von Michael Falkinger

Mehr als 100 Feldpostkarten hat Soldat Martin Stanglmeier im Ersten Weltkrieg an die Trostberger Kaufmanns-Familie Scherrer, bei der er angestellt war, geschrieben. Seine letzte Karte – adressiert an den Katholischen Gesellenverein Trostberg, heute Kolpingsfamilie – stammt vom 7. April 1918. Zwei Tage vor seinem Tod; nach 33 Monaten Kriegseinsatz fiel Stanglmeier am 9. April 1918 durch einen Herzschuss.

Fa. Alwin Kroner

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Es ist eines der Einzelschicksale, die den Ersten Weltkrieg direkt vor die eigene Haustüre bringen und greifbar machen. Viele Feldpostkarten Stanglmeiers sind Teil der Ausstellung im Atrium am Stadtmuseum mit dem Titel „Trostberg und der Erste Weltkrieg“. Veranstalter ist das Stadtmuseum in Zusammenarbeit mit einem P-Seminar des Hertzhaimer-Gymnasiums Trostberg und der Kolpingsfamilie Trostberg-St. Andreas. Die Ausstellung zeigt Fotos, Feldpostbriefe, Sterbebilder, Zeitungsausschnitte aus dem „Trostberger Wochenblatt“ und Plakate, die in den Kriegsjahren 1914 bis 1918 am Rathaus angeschlagen waren.

„Die Ausstellung ist, wenn auch nur bezogen auf unser kleines Trostberg, ein Aufschrei gegen jede Form von Krieg“, sagte Dr. Rainer Lihotzky vom Museumsteam bei der Vernissage am Donnerstagabend. „Was hier an patriotischem Hurrageschrei, irrsinniger Kriegsverherrlichung, verbrecherischem Kalkül und kriegsbedingtem Leid dokumentiert wird, ist eine gewaltige Anklage, der sich  keiner von uns entziehen darf.“ Die Informationen  gehen unter die Haut.

Das Ende des Ersten Weltkriegs liegt knapp 100 Jahre zurück. Eine lange Zeit, könnte man denken. Doch 100 Jahre sind in der Geschichte nur ein Wimpernschlag. Die Eindringlichkeit der Exponate bringt den Krieg, dessen Front nicht in Deutschland lag, durch seine Auswirkungen auf Trostberg direkt vor Ort. 108 Trostberger fielen an der Front – 108 von neun Millionen Soldaten weltweit, die ihr Leben lassen mussten. Den Irrsinn macht die Widersprüchlichkeit deutlich: auf der einen Seite martialische Aufrufe von Politik und Verwaltung, auf der anderen Seite die Soldatenschicksale, die in den Feldpostbriefen und Karten zum Ausdruck kommen.

Der Erste Weltkrieg war eine Zäsur im Anfang des 20. Jahrhunderts, die den Verlauf der neueren Geschichte maßgeblich geprägt hat, sagte Zweiter Bürgermeister Robert Liedl. Die Nachlässe der Familie Scherrer, der Familie von Museumteam-Mitglied Jürgen Schweikart und des Trostberger Kolping-Präses August Kebinger  zeichnen ein deutliches Bild.

Für das P-Seminar des Gymnasiums ist der Erste Weltkrieg besonders interessant, weil er nicht so ausführlich wie der Zweite Weltkrieg im Geschichtsunterricht vorkommt, sagte  Andreas Warchal, der mit Luisa Wimmer die Q12 des Gymnasiums vertrat. Ziel des zehnköpfigen Seminars ist, jungen Menschen per Einzelschicksale das Leid des Kriegs näher zu bringen. Die Ausstellung „Trostberg und der Erste Weltkrieg“ ist  am 22. Und 23.,  am 28., 29. und 30. Oktober, am 4., 5. und 6. November sowie am 11., 12. und 13. November jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

(21. Oktober 2016)

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