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Finissage der Kunstmeile '15

„Wir sind zufrieden, geben uns aber nicht zufrieden“: Stadtheimatpfleger Dr. Rainer Lihotzky (rechts) bei der Finissage zur Kunstmeile im Atrium des Stadtmuseums. Foto: fal

Der Weg zur Kunstmeile ’17 ist frei

„Erfolgreiche kulturelle Nischenpolitik“: Südbayerns größte Schau zeitgenössischer Kunst endet mit Besucherrekord

Von Andreas Falkinger

19 Tage lang ist Trostberg das südbayerische Zentrum der zeitgenössischen Kunst gewesen, 19 Tage lang haben sich 75 Künstler aus Bayern, Österreich, Baden Württemberg und Hessen mit ihren Arbeiten der Diskussion gestellt, haben das Trostberger Stadtbild geprägt. Berichte in den Zeitungen, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und im Bayerischen Fernsehen haben das Bild von einer kulturaffinen Stadt Trostberg ins Land hinausgetragen – und zahlreiche Besucher nach Trostberg gelockt. Entsprechend zufrieden sind Kunstmeilen-Initiator Werner Pink, Stadtheimatpfleger Dr. Rainer Lihotzky und 1. Bürgermeister Karl Schleid mit dem Verlauf der Schau, wie sie bei der Finissage am Sonntag im Atrium des Stadtmuseums betonten. Die Kunstmeile ging mit einem Besucherrekord zu Ende.


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Schritt für Schritt hat das Organisationsteam in den vergangenen zehn Jahren die Kunstmeile zu dem aufgebaut, was sie heute ist – zur größten Werkschau zeitgenössischer Kunst in Südbayern. Behutsam wurden die Zahl der beteiligten Künstler und die Zahl der gezeigten Arbeiten gesteigert. Um Superlative ging’s dabei nie – keiner der Beteiligten hatte das Ziel, die beste, größte, schönste oder zeitgeistigste Show auf die Beine zu stellen. Das Team wollte die künstlerische Leistungsfähigkeit der Region abbilden, das bildnerische Potenzial aufzeigen, bescheiden, aber nicht provinziell. Und ganz ohne die in der Szene durchaus übliche Konstruktion von öffentlichkeitsheischenden Skandälchen und Provokationen. Nach zehn Jahren und sechs Auflagen können die Kunstmeilen-Macher mit Fug und Recht behaupten: Dieser Weg war der richtige.

Deshalb sind zum einen die Künstler den Weg gern mitgegangen – und zum anderen auch das Publikum. Bei der Auswahl der Arbeiten ging’s immer darum, nicht dem vhs-Kurs „Die Rolle des fein getupften Aquarells in der semi-naturalistischen Blümchenmalerei“ Raum zu geben. Solche Kurse haben selbstverständlich ihre Berechtigung, deren Erzeugnisse haben aber in der Regel nichts in ernstzunehmenden Ausstellungen zu suchen. Zur Auswahl standen immer die Werke gestandener Künstlerpersönlichkeiten – ob das Franz-Xaver Angerer, Hermann Wagner, Professor Karl-Heinz Schönswetter, Liesbeth Wohrizek & Co. bei der Kunstmeile 2005 waren oder heuer Stefan Birkel, Georg Mayerhanser, Isa Jungblut, Andreas Eschenbacher und Kollegen waren. Der Kern ist der Veranstaltung treu geblieben, Neue sind dazugekommen. Und es stehen immer noch in Trostberg ungezeigte Künstler in den Startlöchern, die beim nächsten Mal unbedingt dabei sein wollen. Das Potenzial für eine siebte, womöglich noch umfangreichere Kunstmeile ist jedenfalls vorhanden.

Orgelpfeifer Kunstmeile Trostberg Finissage2Auch das Publikum scheint mit dem organischen Wachstum der Kunstmeile Trostberg einverstanden zu sein – analog dazu sind die Besucherzahlen seit 2011 kontinuierlich um rund 500 gestiegen. Wobei das keine verlässlichen Daten sind, sein können. Keiner hat die Menschen gezählt, die im Freigelände Kunst konsumiert haben. Und auch die Werte in den Ausstellungsräumen wurden äußerst konservativ ermittelt, um Doppelzählungen zu vermeiden. Auch hier geht’s wieder um die Bescheidenheit und darum, auf schillernde und trotzdem schnell platzende Seifenblasen zu verzichten. Rund 4.800 Gäste wurden gezählt. Mindestens.

Mitorganisator Dr. Lihotzky bekräftigte in seiner Abschlussrede, die Kunstmeile sei ein Beispiel für erfolgreiche kulturelle Nischenpolitik. Das Team sei mit dem Verlauf der Ausstellung zufrieden – „wobei Zufriedenheit für uns ,zufrieden sein‘ bedeutet, nicht aber ,sich zufrieden geben‘.“ Eine Optimierung sei immer möglich. „Wir fühlen uns bestätigt und hoffen, in zwei Jahren die siebte Kunstmeile ausrichten zu können.“

Nicht von „Hoffnung“, sondern von „Erwartung“ sprach bereits Bürgermeister Schleid. Damit sicherte er zu, dass in zwei Jahren wieder mit der Unterstützung der Stadt Trostberg fest zu rechnen sei, wenn das Team erneut die Herausforderung angeht, eine Ausstellung dieser Qualität auf die Beine zu stellen. Außerdem kündigte er an, auch heuer wieder eine Kunstmeilen-Arbeit in der Stadt behalten zu wollen. „Auf die Verhandlungen mit dem Künstler freue ich mich schon.“ Ausdrücklich wies der Bürgermeister noch einmal auf das Schulprojekt „Migration – und wir?“ hin, an dem sich alle Trostberger Schulen und die Mittelschule aus dem oberösterreichischen St. Pantaleon mit beeindruckenden Arbeiten beteiligt hatten. Er machte deutlich, dass gerade für die Jugend in ihrer Entwicklung Kunst und Kultur ein wichtiger Anker sein können. Er selbst sehe den wachsenden Erfolg der Kunstmeile mit Genugtuung und als Bestätigung: „Nicht wenige haben bei meinem Amtsantritt gesagt: So etwas wird’s mit Schleid als Bürgermeister nicht mehr geben. Die müssen sich jetzt eines Besseren belehrt sehen.

 

Kunstmeile '15 beendet

Künstler und Publikum nutzen nach den offiziellen Ansprachen der Finissage zur Kunstmeile Trostberg ’15 die Zeit zum Gedankenaustausch. 

(29. Juni 2015)

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