Bürgermeister Schleid hegt erhebliche Zweifel am Zensusergebnis.

Laut Bürgermeister Karl Schleid (links) weist das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung für die Stadt Trostberg zum Stichtag 30. Juni 2015 eine Zahl von 11.052 Einwohnern aus. Foto: fal

Stadt zweifelt an Zensus-Ergebnis

Offiziell 11.052 Trostberger – Bürgermeister: Gerichtliche Klärung angestrebt – Finanzielle Einbußen befürchtet

Von Michael Falkinger

Für die Stadt Trostberg weist das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung zum Stichtag 30. Juni 2015 eine Zahl von 11.052 Einwohnern aus. „Wie zahlreiche andere Kommunen in Bayern haben auch wir bei der Stadt Trostberg erhebliche Bedenken, was die Ermittlung und Fortschreibung der amtlichen statistischen Einwohnerzahl betrifft“, sagte Bürgermeister Karl Schleid in der Bürgerversammlung im Postsaal. „Deshalb streben wir hier eine gerichtliche Klärung an. Mit konkreten Ergebnissen zu dieser Streitfrage ist jedoch in nächster Zeit nicht zu rechnen.“

Fa. Alwin Kroner

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Schleid spielte hier auf den Zensus aus dem Jahr 2011 an. Viele Kommunen kritisieren die Volkszählung als ungenau und fehlerhaft und zogen vor Gericht. Für Aufregung sorgte der Zensus in den Gemeinden, da er für viele Städte deutlich geringere Einwohnerzahlen ergeben hatte als die bisherige amtliche Statistik. Mögliche Konsequenz sind empfindliche finanzielle Einbußen – vor allem durch den kommunalen Finanzausgleich, da der Freistaat Bayern Landesmittel teils nach Bevölkerungsgröße verteilt. „Die Kommunen – Gemeinden, Landkreise und Bezirke – sind ein elementarer Bestandteil des Staatsaufbaus. Sie erfüllen in ihrem Hoheitsgebiet eine Vielzahl von Aufgaben im Interesse ihrer Bürger“, heißt es dazu seitens des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen. „Damit die Kommunen die an sie gestellten Anforderungen auch bewältigen können, greift der Freistaat unterstützend durch den kommunalen Finanzausgleich ein.“

Die Stadt Trostberg hängt sich laut Bürgermeister Schleid an die Stadt Amberg an, die das Verfahren der Volkszählung für fehlerhaft hält und vor Gericht in einem Musterprozess 54 Gemeinden vertritt, die ebenfalls Zweifel geäußert haben. Das Verwaltungsgericht Regensburg hat im Sommer 2015 die Klage der Stadt Amberg zwar abgewiesen, weil es das Verfahren zur Volkszählung für verfassungskonform hält. Bereits kurz nach der Urteilsverkündung kündigte Dr. Bernhard Mitko, Rechtsreferent der Stadt Amberg, jedoch an, in Berufung gehen zu wollen.

Mit Blick auf die Trostberger Einwohnerstatistik erklärte Schleid, dass der deutliche Rückgang der Einwohnerzahlen 2011 – also im Jahr des Zensus – auf den Feststellungen des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung im Rahmen der Volkszählung beruht. Das Landesamt hatte stichprobenartige Haushaltsbefragungen durchgeführt und die daraus gewonnenen Erkenntnisse mit statistischen Berechnungsmethoden auf die gesamte Einwohnerzahl hochgerechnet. Die Trostberger Statistik weist für das Jahr 2011 noch 11.201 Einwohner aus. Für 2012 zählt sie 11.059, 2013 stehen 11.029 Einwohner zu Buche, und für 2014 führt die Statistik 11.044 Einwohner an.

Schleid betonte aber auch, selbst wenn sich im Rahmen einer weiteren Überprüfung die amtliche Einwohnerzahl dem Stand des städtischen Melderegisters annähern sollte, ist mit Blick auf die letzten Jahre eine leicht rückläufige Tendenz erkennbar. Dieser Trend spiegelt sich bei vielen vergleichbaren Städten und Gemeinden in ähnlicher, teilweise auch deutlich stärkerer Weise wider.

„Bei Gegenüberstellung der Altersstruktur aus den Jahren 2014 und 2015 wird der demografische Wandel auch in Trostberg deutlich“, fuhr der Bürgermeister fort. Der zunehmenden Lebenserwartung steht eine rückläufige Tendenz bei den Geburten gegenüber. Seit 2011 ist in den Jahren 2014 und 2015 die Geburtenrate aber erstmals wieder leicht angestiegen. 2011 waren es 97 Geburten, 2012 folgte mit 82 und 2013 mit 67 Geburten ein Rückgang, 2014 waren es 80 und 2015 schließlich 89 Geburten, die das Einwohnermeldeamt verzeichnet hat.

Die zahlenstärkste Altersgruppe der Trostberger bildeten 2015 die Senioren mit 3.277 Einwohnern, die 61 Jahre oder älter sind (Vorjahr: 3.280). Zur Altersgruppe 0 bis 15 zählten 1.502 (Vorjahr: 1.493), 1.351 Einwohner waren 16 bis 25 Jahre alt (Vorjahr: 1.322), 1.313 fielen in die Kategorie 26 bis 35 (Vorjahr: 1.232), die Altersgruppe 36 bis 45 war mit 1.213 Einwohnern vertreten (Vorjahr: 1.271), und 2.710 Trostberger waren 46 bis 60 Jahre alt (Vorjahr: 2.671).

(16. März 2016)