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Gemeinschaftsunterkunft am Zaglberg

Platz für 100 Personen: Die ersten Flüchtlinge könnten voraussichtlich bis Ostern in der Unterkunft am Zaglberg einziehen. Fotos: fam

„Außerordentliche Dienste im Sinne der Integration“

Bürgermeister Schleid lobt in den Bürgerversammlungen das Netzwerk Asyl

Von Michael Falkinger

„Es ist erkennbar, dass die Stadt Trostberg die von der Regierung von Oberbayern und dem Landkreis Traunstein auferlegte Aufgabe der Aufnahme von Asylbewerbern sehr ernst nimmt“, hat Bürgermeister Karl Schleid in den Bürgerversammlungen im Trostberger Postsaal und im Gasthaus Beilmaier in Lindach betont. Zum 1. Februar waren im Trostberger Stadtgebiet 110 noch nicht anerkannte Asylbewerber untergebracht; zu ihnen zählten 22 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Schleid sagte, zu den 110 Asylbewerbern kämen die 17 Anerkannten dazu. Die Flüchtlinge leben in zwölf Wohnungen und Unterkünften im Stadtgebiet. Die Asylbewerber in Trostberg stammen aus Afghanistan, Eritrea, Pakistan, Nigeria und Syrien.


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Bis 31. Dezember 2016 wurde für Trostberg eine Quote von 363 Asylbewerbern ermittelt. „Das bedeutet, dass wir bis zum Jahresende 2016 noch 253 Flüchtlinge aufnehmen müssten, um diese Quote zu erfüllen“, sagte Schleid. „In Realzahlen sind das sicherlich noch mehr Personen, da in der Zwischenzeit ja auch immer wieder Anerkennungen oder Aufenthaltserlaubnisse ausgesprochen werden.“ Wenn die zentrale Asylbewerberunterkunft am Zaglberg an der Sepp-Kiene-Straße mit 100 Flüchtlingen belegt wird, reduziert sich die Aufnahmequote Trostbergs auf 153 Personen.

Im Landkreis Traunstein waren es zum 1. Februar 1.853 Flüchtlinge, davon 144 unbegleitete Minderjährige, informierte Schleid. 301 leben in zentraler, 1.408 in dezentraler Unterbringung. Bis zum 31. Dezember 2016 rechnet das Landratsamt mit 5.678 Flüchtlingen im Landkreis Traunstein.

Die Realität zeige, dass viele der anerkannten Flüchtlinge nicht, wie es bisher die „der großen Politik“ prognostiziert hatte, in die größeren Städte und Ballungszentren abwandern werden. „In Trostberg zeigt es sich, dass auch viele hier bleiben wollen“, sagte Schleid. „Wir machen gerade die ersten Erfahrungen mit den nun in die Obdachlosigkeit und Arbeitslosigkeit gehenden anerkannten Flüchtlingen, denn diese Personengruppe fällt nun in die jeweilige Zuständigkeit der Gemeinde oder Stadt, in der sie sich aufhalten.“

Der Bürgermeister weiter: „Sehr erfreulich ist, dass sich die zum Teil schwerst traumatisierten Flüchtlinge schon sehr gut in Trostberg eingelebt haben und sich bisher keine unangenehmen Auffälligkeiten gezeigt haben.“ Dies sei sicher auch Ergebnis der guten Zusammenarbeit des Rathauses mit den „sehr rührigen und in ihrem außerordentlichen Engagement überaus eifrigen Ehrenamtlichen“, die sich im Trostberger Netzwerk Asyl für die neuen Einwohner einsetzen. „Hier werden außerordentliche Dienste im Sinne der Integration geleistet.“ Schleid zählte unter anderem Sprachkurse, die Brückenschule, die Ausstattung mit Bekleidung über die Caritas-Kleiderkammer, Arbeitssuche und Arbeitsvermittlung sowie das Organisieren eines Freizeitprogramms und Veranstaltungen wie zum Beispiel das Café International im Pfarrsaal St. Andreas auf.

„An dieser Stelle möchte ich mich als 1. Bürgermeister der Stadt Trostberg für die außerordentliche und wichtige Arbeit, welche hier unentgeltlich im Rahmen des Ehrenamts geschafft wird, bei allen bedanken, die hier Dienst leisten“, erklärte Schleid. „Genauso hervorzuheben ist die außerordentliche Spendenbereitschaft bezüglich Sach- und Geldspenden. Dies ist wirklich ein Aushängeschild für das Miteinander der Stadt Trostberg.“

Die ersten Flüchtlinge könnten voraussichtlich bis Ostern in der Unterkunft am Zaglberg einziehen. Der Landkreis Traunstein, Sachgebiet kreiseigener Hochbau, die Wohnungsbau GmbH des Landkreises sowie die ausführenden Firmen stellen die Asylunterkunft für 100 Personen als Gemeinschaftsunterkunft am Zaglberg an der Sepp-Kiene-Straße fertig. Die Arbeiter haben eine zweigeschossige Unterkunft in Holzbauweise errichtet. Im Erdgeschoss befinden sich Zwei-Bett-Zimmer, im Obergeschoss sind auch Familienzimmer konzipiert. Im Erd- und Obergeschoss ist jeweils eine Gemeinschaftsküche eingerichtet. In einem Nebengebäude befindet sich ein Gas-Brennwertkessel. Am 25. Februar übergab der Landkreis Traunstein die Unterkunft der Regierung von Oberbayern, die als Träger einen Betreiber mit der Organisation der Einrichtung beauftragen will.

In der Bürgerversammlung im Postsaal appellierte Bürgermeister Schleid in puncto günstigen Wohnraum sowohl für Flüchtlinge als auch für Einheimische, nicht immer nur den Blick auf Immobilien der Kommune zu werfen. „Auch viele Leerstände, die in privater Hand sind, wären geeignet, diesen Wohnungssuchenden Wohnraum zu vernünftigen Preisen zur Verfügung zu stellen.“

(16. März 2016)